Licht und Schatten

Nach unserem Zwischenstopp in Westport sind wir also nach Takaka gefahren, um den Nordwesten der Südinsel zu erkunden. Die Gegend ist die zweitsonnigste des ganzen Landes, also hatten wir hier zwei Wochen richtigen "Sommerurlaub" geplant. Die ersten beiden Tage haben wir vornehmlich am Strand und auf unserer Terrasse verbracht. Das vor allem auch, um uns für unseren Ausflug in den Abel-Tasman-Nationalpark zu schonen. Diesen durchlaufen viele Touristen (55km) in 3-5 Tagen. Darauf hatten wir natürlich keine Lust. Man kann aber Teilstrecken an einen Tag laufen. Einziges Problem: es gibt eine Stelle, an der man einen Meeresarm überqueren muss. Das geht nur in einem bestimmten Zeitfenster um den niedrigsten Wasserstand. Nach einiger Recherche und unter Berücksichtigung der Tide habe ich also eine Strecke herausgesucht, bei der wir uns mit dem Wassertaxi in der Bark Bay absetzen lassen und dann zu unserem Auto zurücklaufen. Der Reiseführer gab für diese Strecke 6h an, also moderat mit einigen ausgedehnten Pausen auf jeden Fall an einem Tag zu schaffen. Das fand auch Dani, auch wenn ich ihr dabei die Information vorenthalten habe, dass wir etwa 18, ja richtig gelesen achtzehn Kilometer laufen würden. Wir sind also früh los, um zum Startpunkt und der Wassertaxiablegestelle zu fahren. Vom Wassertaxi aus konnte man schon die unzähligen wunderschönen Buchten sehen. Und dann ging's los. Gleich zu Beginn ein ziemlich gemeiner Anstieg, laut Karte aber der höchste und steilste für den Tag. Wir mussten direkt ein paar Mal pausieren, um wieder zu Luft zu kommen. In der Broschüre stand, man bräuchte für die Wanderung ein geringes Fitnesslevel... Na da wissen wir ja gleich, wo wir uns einstufen können. Trotzdem haben wir die Wanderung zum 1. Zwischenstopp noch unter der angegebenen Zeit geschafft. Dort saßen wir einige Zeit in der Sonne und haben die tolle Bucht bestaunt. Dann sind wir um die Mittagszeit weiter, vor uns 3h bis zur nächsten Bucht. Auch die Strecke haben wir noch ganz gut gemeistert. Leider verschlechterte sich das Wetter und als wir am Awaroa Inlet ankamen, war nicht mehr viel mit in der Sonne auf Ebbe warten. Also haben wir an der dortigen Wandererunterkunft ausgeharrt, wie immer umringt von jede Menge Deutschen. Von dort konnten wir schon sehen, wo unser Weg auf der anderen Seite weitergehen sollte. Der zu dem Zeitpunkt noch reißende Strom zwischen uns und der anderen Seite ließ auf jeden Fall nicht an eine Überquerung denken. Ungefähr 2h vorm angegebenen Wasserniedrigststand fingen auf der anderen Seite einige Leute an, ins Wasser zu waten. Die haben ungelogen 1h gebraucht und waren bis zum Bauch nass. Und das Wasser hatte immer noch nur knapp 20Grad. Das haben wir eine ganze Zeit beobachtet. Ein paar Leute haben erzählt, dass die Flut an diesem Tag bedingt durch Neumond besonders hoch war...ganz toll. Eine halbe Stunde vor Ebbe haben wir uns dann losgemacht. Auch wir haben immer noch eine halbe Stunde gebraucht und ich war bis zum Oberschenkel (Dani also nur bis zu den Knien) nass. Und die Strömung war immer noch heftig. Da steht man also, mit Kamera, Smartphone usw. bepackt im Wasser und denkt: wenn ich jetzt mitgerissen werde, ist das alles futsch - Angst! Zum Glück ist nichts passiert. Da der ganze Boden matschig war, konnten wir weder feste Schuhe noch Flip Flops anziehen, die haben sich immer am Boden festgesaugt. Also mussten wir barfuß über den muschelübersähten Boden, das klang ungefähr so: au, au, uuuhhhh, autsch, au. Und danach standen uns aber nochmal 2h Wanderung bevor. Dani war begeistert. Vor allem hatte sie dort das erste Mal gesehen, wieviele km wir wirklich laufen, als ich leichtfertig sagte, wir haben immerhin 2/3 der Strecke geschafft. Das letzte Stück wär also echt hart, da halfen auch die schönen Buchten nicht viel. Vor allem mussten wir kurz vorm Ziel eine Umleitung laufen, weil es einen Erdrutsch gegeben hatte. Also ein doppelt so hoher Anstieg. Mit letzter Kraft haben wir uns zum Auto geschleppt, sind nach Hause gefahren und haben kurz vor 10 geschlafen. Ich war stolz auf uns. An das Tongariro Alpine Crossing auf der Nordinsel habe ich dennoch einen Haken gemacht, da sind neben 18km nämlich noch mehrere hundert Meter Höhenunterschied zu überbrücken. Für den nächsten Tag hatten wir dann einen weiteren Ausflug gebucht, zum Cape Farewell und zum Farewell Spit. Letztere ist eine riesige Sandbank am nördlichsten Ende der Südinsel, 30km lang und zwischen 8 und 24km breit, je nachdem, ob Ebbe oder Flut ist. Unser Tourguide sagt, bei Flut sieht es aus wie der Schnabel eines Kiwis und bei Ebbe wie der eines Pelikans. Zum Glück wird die Strecke dieser Tour vornehmlich in einem umgebauten alten Feuerwehrwagen durchgeführt, unsere geschundenen Füße also geschont. Wir sehen viele Zugvögel, die hier überwintern. Leider auch 2 tote Grindwale, die bei den letzten beiden Strandungen nicht mehr zu retten waren. Der Guide erklärt uns, dass das immer wieder passiert, wahrscheinlich flüchten die Grindwale vor Orkas ins seichte Wasser und stranden dann. Nach einem Zwischenstopp am Leuchtturm von Farewell Spit halten wir als letztes an einer Sanddüne, auf die wir klettern dürfen. Und das ist einfach unglaublich. In alle Richtungen sieht man die Sanddüne, wo vorher noch Wasser war. Das ganze getaucht in das Licht der langsam untergehenden Sonne... Wow. Ein toller Ausflug. Leider erreicht uns 2 Tage später aus Deutschland die Nachricht, vor der wir uns so gefürchtet haben. Bienes Opa ist gestorben. Sie ist unglaublich traurig. Natürlich muss man im stolzen Alter von 90 immer damit rechnen, dass es passiert... Weihnachten meinte er noch, er würde uns sogar besuchen kommen. An die geplanten Ausflüge oder Weiterreisen ist in erster Instanz nicht zu denken. Viel größer ist das Bedürfnis, jetzt bei der Familie zu sein. Opa selbst war aber in den letzten Jahrzehnten immer viel auf Reisen. Zwei Mal ist er um die halbe Welt gereist, einmal über Amerika bis nach Französisch-Polynesien und einmal von Sydney bis nach Genua. Nur Neuseeland hat er nie gesehen. Wir haben uns also entschieden, hier seine Reiselust weiterleben lassen und ihn in unseren Herzen mit uns tragen. Und wünschen ihm das Beste auf der Reise, auf der wir ihn nicht mehr begleiten können. Wir werden dich sehr vermissen.

9.2.14 06:35

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kerstin und Gerd (11.2.14 19:38)
Hallo Ihr Lieben, gut dass mich Dani heute gefragt hat ob ich den lezten Blog gelesen habe. Wir hatten uns schon gewundert solange nichts von euch gehört zu haben. Wir haben nämlich festgestellt, dass einer von uns den Link mit nicht mehr informiert werden wollen angeklickt haben muss. Haben nun alles nachgeholt, sind wie immer total begeistert.

Möchten an dieser Stelle aber auch noch einmal unser Beileid bekunden.
Ganz liebe Grüße
Kerstin und Gerd

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